INFORMATIK / INFORMATIQUE

Zeitschrift der schweizerischen Informatikorganisationen
Revue des organisation suisses d'informatique

Nr./No. 2 April/Avril 1995


SWISS ONLINE:Drehscheibe für elektronische Dienste in der Schweiz

Jürg W. Dangel

Am 1. Februar 1995 hat die neu gegründete Firma SWISS ONLINE AG die Verantwortung für die Dienstleistung Videotex übernommen. Dieser Schritt wurde möglich und nötig, weil im Zuge der Liberalisierung der Fermeldedienste in der Schweiz (neues Fernmeldegesetz) der Leistungsauftrag der Telecom PTT und damit die Möglichkeit der Subventionierung von Videotex erlosch.

In der SWISS ONLINE AG haben sich wichtige bisherige Anbieter des Videotex-Dienstes sowie die SVIPA, der Verband Schweizerischer Telematik-Anbieter, zusammengeschlossen. Die Trägerschaft der neuen Gesellschaft setzt sich gemäss Tabelle 1 zusammen.

Mit 105'000 Abonnenten, was rund einer Viertel Million Anwendern entspricht, betreibt die SWISS ONLINE heute den mit Abstand grössten Online-Dienst der Schweiz. Zum Vergleich: Internet hat gegenwärtig rund 40'000 und Compuserve rund 20'000 Kunden.

Online-Dienstleistungen sind ein internationaler Wachstumsmarkt, der sich in den letzten 2 Jahren rasant entwickelt hat. Der gegenwärtige weltweite Stand von Online-Diensten ist in Tabelle 2 zusammengefasst.

Das in der jüngsten Vergangenheit besonders rasche Wachstum der Online-Dienste in den USA (Internet, America Online als Wachstumsleader) dürfte sich auch rasch auf Europa ausweiten. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich:

1. Das zunehmende Vordringen des Personal-Computers in den privaten Haushaltungen und

2. die Verfügbarkeit nützlicher Anwendungen für Jedermann.

Dies gilt ganz besonders für die Schweiz. Im vergangenen Jahr wurden rund 500'000 Personal-Computer verkauft, wovon rund 200'000 im sogenannten SOHO (Small Office / Home)-Markt. Unter Berücksichtigung der Ersatzinvestitionen dürften somit heute in der Schweiz rund 2,1 Millionen Personal-Computer im Einsatz stehen. Davon entfallen rund 800'000 Geräte auf private Haushaltungen. Damit liegt die Schweiz zwar immer noch hinter den USA aber deutlich über dem Durchschnitt der westeuropäischen Länder. Wir schätzen, dass bereits heute rund ein Viertel, d.h. 200'000 der in privaten Haushaltungen stehenden Personal-Computer mit einem Modem bestückt und somit kommunikationsfähig sind.

Online-Dienstleistungen kennen keine Landesgrenzen, es herrscht Wettbewerb. Der Kunde wird indessen jene Dienste prioritär beanspruchen, welche lokal/regionalen Bedürfnissen der Kunden entsprechen (z.B. Telebanking, Teleshopping, aktuelle Informationen) und überdies kostengünstig und einfach zu handhaben sind.

Um die sich bietenden Chancen zu nutzen, will die SWISS ONLINE AG eine Drehscheibenfunktion zwischen Dienstleistungsanbietern und Kunden übernehmen. Zur raschen Entwicklung und breiten Akzeptanz der SWISS ONLINE-Dienste wird die neue Gesellschaft die derzeit rund 400 Anwendungen transparenter bündeln und dabei die Suchstrukturen vereinfachen.

Die heutigen SWISS ONLINE-Dienste sollen schrittweise mit neuen Angeboten wie Audiotex- und Multimedia-Anwendungen erweitert werden. Kurzfristig soll ein Gateway zu Internet und allenfalls anderen internationalen Diensten realisiert werden. Um das Erscheinungsbild und die Handhabung der heutigen Videotex-Anwendung kurzfristig zu verbessern wird der Einsatz der KIT-Technik (KIT = Windows-basierter Kernel for Intelligent Communication Terminals) geprüft.

Bis Ende 1996 soll das heutige System der SWISS ONLINE auf eine neue technische Plattform - vergleichbar mit Diensten wie America Online und Europe Online - überführt werden. Die SWISS ONLINE AG will überdies gemeinsam mit führenden Hardware- und Software-Anbietern attraktive Einstiegsangebote (PCs inkl. Software mit direktem SWISS ONLINE-Zugriff) offerieren.

Jürg W. Dangel ist Präsident des Verwaltungsrats der Swiss Online AG und Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Fernmelde-Benützern (Asut).


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