Nr./No. 2 April/Avril 1995
In einem Unternehmen ist Information ein äusserst kostbares Gut. Dabei ist besonders wichtig, dass die Information schnell an ihr Ziel kommt und jederzeit verfügbar ist, wenn sie benötigt wird. Gerade bei einer Grossbank fällt täglich eine grosse Menge von neuen Weisungen, Handbüchern, Mitteilungen, Regelungen, Vorschriften und Berichten an. Für den Produzenten ist das Erstellen und die Verteilung der Publikationen mit erheblichem Aufwand verbunden, und für den Konsumenten kann es schwierig sein, in dieser Papierflut den Überblick zu behalten. Der Einsatz eines elektronischen Publikationsmediums drängt sich aus diesen Gründen geradezu auf, um die Ausbreitung und die Verfügbarkeit des Produktionsfaktors Information zu verbessern.
Im Rahmen eines Prototyps erforscht die Abteilung "Informatik und Organisation Firmenkundengeschäft" der Schweizerischen Bankgesellschaft derzeit den Gebrauch von W3 in Kombination mit einem Fulltext-Retrieval-System zur Ausbreitung von internen Informationen an die Firmenkundenbetreuer im Niederlassungsnetz Schweiz. Dabei waren zahlreiche Gründe für die Wahl von W3 ausschlaggebend.
WWW ist ein dezentrales System. Es ermöglicht einer Vielzahl von Autoren und Benutzern, ihre Informationen unabhängig voneinander auf verschiedenen Servern bereitzustellen oder zu konsumieren. HTML ist relativ einfach durchschaubar und bietet bewusst nur eingeschränkte Formatierungsmöglichkeiten. Trotz verschiedener Autoren kann dadurch über verschiedene Dokumente hinweg ein einheitliches Erscheinungsbild der präsentierten Information und eine uniforme Benutzerführung erreicht werden. Die strukturelle Einfachheit des HTML-Formates ermöglicht dabei auch unerfahrenen Autoren, sich rasch einzuarbeiten.
Ein weiterer Vorteil ist die problemlose und kostengünstige Verfügbarkeit von W3-Clients für verschiedenste Hardware-Plattformen, die Offenheit der Architektur und die durch die "Internet Community" sichergestellte Weiterentwicklung. Aufgrund dieser Unabhängigkeit stellt sich, im Gegensatz zu proprietären Entwicklungen, ein sehr hoher Grad der Investitionssicherheit ein. W3 bietet auch hervorragende Möglichkeiten, externe Applikationen zu integrieren. So wurde beim erwähnten Prototypen eine Schnittstelle zur Fulltext-Retrieval-Software "OpenText" geschaffen, die zahlreiche Suchmöglichkeiten, von der einfachen globalen Wortsuche bis zur mehrfachen logischen Verknüpfung mit Distanzangabe und Beschränkung auf bestimmte Textregionen, zur Verfügung stellt.
Die Ergebnisse der bisherigen Versuche waren ermutigend und haben die Tauglichkeit von W3 im Unternehmenseinsatz deutlich unter Beweis gestellt. Dennoch bleiben einige offene Fragen im Bereich der Informationsproduktion. Die Entwicklungsanstrengungen werden sich deshalb künftig vermehrt auf das Authoring und insbesondere auf die Übernahme bestehender Dokumente in die elektronische Publikation konzentrieren.