Silvia Ackermann
EducETH: Unterrichtsmaterial über World Wide Web
Die ETH Zürich hat eine Datenbank EducETH geschaffen, die über Internet öffentlich zugänglich ist. Diese richtet sich an Lehrpersonen auf dem Niveau der Sekundarstufe II und dem unteren Tertiärbereich wie Fachhochschulen oder Technikerschulen. Die Datenbank umfasst Unterrichtsmaterialien zu verschiedenen Fächern. Die Materialien können nach dem Hypertextprinzip auf dem Server gesichtet und bei Bedarf kostenlos direkt ab dem Server bezogen werden.
If you can call up any paper on your screen and, after deciding that it looks interesting, print it out on the laser printer on your desktop, will you need your university's library?
Andrew Odlyzko (AT&T Bell Laboratories)
Auf Papier gedruckte Medien, sog. Printmedien, haben gegenüber elektronischen Medien gewichtige Nachteile. Andrew Treloar führt unter anderen an:
– Zwischen dem Zeitpunkt der Fertigstellung eines Werkes und seiner Publikation vergeht oft viel Zeit.
– In Printmedien kann nicht in effizienter Weise nach Stichworten oder anderen Kriterien gesucht werden.
– Printmedien beschränken sich auf Informationen, die in statischer Form verfügbar sind.
– Automatische Querverweise (Hyperlinks) auf andere Dokumente sind nicht möglich.
– Printmedien sind teuer im Bezug auf Herstellung, Verteilung und Lagerung.
– Printmedien können nur mit grossem Aufwand aktualisiert oder korrigiert werden.
Elektronische Publikationen leiden nicht unter diesen Beschränkungen. Das auf dem Internet basierende World Wide Web hat sich dank seiner nach dem "Click and go" bedienbaren Hypertextoberfläche zu einem der heute wichtigsten Informationssysteme entwickelt. Multimedia-Dokumente können auf WWW gesichtet und nach verschiedensten Kriterien gesucht werden. Der Begriff Multimedia ist ein Synonym für die Integration von Text, Bild, Ton und Animation in ein Dokument. Mit WWW und der Internet-Technologie ergibt sich eine wesentliche Begriffserweiterung von Multimedia: Die Transportierbarkeit und benutzergerechte Zusammenstellung (customized publishing) von Information ist eine neue zentrale Eigenschaft von Multimedia. Multimedia wird um eine dynamische Komponente erweitert. WWW integriert FTP (file transfer protocol) und erlaubt es deshalb, dass Multimediadateien aus der ganzen Welt auf fast jeden Computer geholt und dort bearbeitet werden können.
Unterrichtsmaterialien sind typischerweise Multimediaprodukte. Electronic Publishing wird deshalb im Unterrichtsbereich einen immer grösseren Stellenwert einnehmen. Für einige Publikationen aus dem Unterrichtsbereich wird ein baldiger Wechsel vom auf Papier gedruckten Medium zum elektronischen Medium vorausgesagt. Durch den Einsatz von Electronic Publishing können Unterrichtsmaterialien laufend überarbeitet und aktualisiert werden. Die Lehrpersonen treffen aus einem grossen Bestand von Dokumenten eine ihren Bedürfnissen angepasste, massgeschneiderte Auswahl (customized retrievability).
EducETH ist ein Beispiel eines solchen WWW-basierten Education Servers. Das Informationssystem ermöglicht es, Unterrichtsmaterialien, Aufgabensammlungen etc. über World Wide Web Lehrpersonen zur Verfügung zu stellen. EducETH ist im wesentlichen ein System für das Sichten, Suchen und Herunterladen von erweiterbaren Multimedia-Dokumenten aus dem Unterrichtsbereich. Rückmeldungen in Form von Kommentaren und Dokumente zum Server senden ist ebenfalls möglich.
EducETH ist nach dem Client-Server Prinzip organisiert. Auf dem Server werden die Dokumente verwaltet und aktualisiert. Dokumente stehen im Normalfall in zwei getrennten Formaten zur Verfügung: a) Für die Sichtung (Preview) als Hypertext-Dokumente im HTML-Format b) Für das Herunterladen zum Client (Download) in einem der gängigen Formate. Bei Texten (miteingeschlossen einfache Bilder oder Graphiken) handelt es sich meistens um Word-Dokumente. Word ist zur Zeit das an Schulen am häufigsten verwendete Textverarbeitungssystem. Komplexere Bilder werden als PostSkript-Dateien zur Verfügung gestellt. Heruntergeladene Dokumente können somit von Lehrpersonen problemlos ausgedruckt, überarbeitet, korrigiert oder auf spezielle Bedürfnisse angepasst werden.
Für grössere Sammlungen von Unterrichtsmaterialien zum gleichen Thema (etwa Aufgabensammlungen) steht ein Itembanking zur Verfügung. Dieses Datenbanksystem erlaubt die Suche und Auswahl von Dokumenten nach den üblichen Kriterien. Bei Aufgabensammlungen sind dies beispielsweise der Themenbereich, Schlüsselwörter, die Haupttätigkeit der Schüler oder der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben. Feedbackformulare erlauben den Austausch von Erfahrungen unter den Lehrpersonen. Zu Aufgaben können Kommentare und Ergänzungen angebracht werden.
Die Oberfläche von EducETH ist nach dem bekannten Hypertextprinzip von WWW aufgebaut. Typographischen Gesichtspunken wurde spezielle Aufmerksamkeit geschenkt. Unnötige Logos, Icons oder gar Animationen (Java-Applets), überflüssige und schnell veraltende Hyperlinks fehlen auf EducETH. Für WWW-Seiten gelten in Analogie zu Printmedien mehr oder weniger dieselben typographischen Regeln. Der Inhalt einer Seite soll für den Betrachter so einfach wie möglich lesbar sein. Bescheidenheit bei der Verwendung von gestalterischen Mitteln ist deshalb oberstes Gebot. EducETH präsentiert sich für den erstmaligen Benutzer hierarchisch. Der Benutzer entscheidet sich zuerst, welches Fachgebiet oder welchen Themenkreis er wählen möchte. Der hierarchisch strukturierte Weg führt umgekehrt aus jedem Fachgebiet und jedem Teil eines Fachgebietes wieder an den Ausgangspunkt zurück.

Übersichtseite von EducETH (Homepage)
Neben verschiedenen Fachgebieten stehen auch andere Informationen aus dem Schulumfeld zur Verfügung. EducETH ist nur ein Beispiel eines Schulservers. Für die Sekundarstufe II in der Schweiz von Bedeutung ist insbesondere auch Agora (http://agora.unige.ch/). Die Entwicklung dieses Servers ist ein Projekt des Nationalen Forschungsprogramm NFP 33, "Wirksamkeit unserer Bildungssysteme". Die Informationen auf diesem Server werden durch verschiedene Institutionen im Bildungswesen zur Verfügung gestellt (TECFA, SKBF, SRED, SFIB, WBZ). Für die langfristige Existenz von Bildungsservern ist entscheidend, dass diese nicht nur Verweise auf andere Verweise, sondern echte, schulrelevante Informationen zur Verfügung stellen. Dies hängt in grossem Masse davon ab, wie gross die Beteiligung der Lehrpersonen an dieser neuen Form des Informationsaustausches sein wird. Der Hang zum Einzelkämpfertum seitens der Lehrer und Lehrerinnen stellt hier ein nicht zu unterschätzendes Hindernis dar.