Werner Hartmann
Internet gehört an jede Schule !
Wie vor 15 Jahren der Personal Computer eine Revolution in der Datenverarbeitung ausgelöst hat, verändert heute das Internet den Datenverkehr und Informationsaustausch. Man schätzt, dass allein in den USA heute bereits über 30 Millionen Menschen Zugang zum weltweiten Datennetz haben. Die Schule kann sich dieser Entwicklung nicht verschliessen.
Auch in Lehrerkreisen hätte vor zwanzig Jahren kaum jemand darauf gewettet, dass Ende dieses Jahrhunderts Computer zum Alltagswerkzeug in den Schulen gehören. Lehrer und Lehrerinnen begegneten dem Personal Computer mit grosser Skepsis, ja Ablehnung. Erst nachdem sich der Siegeszug des Personal Computers in Industrie und Wirtschaft abzeichnete, wurden auch in den Schulen "notfallmässig" grössere Anzahlen von Computern angeschafft. Vielerorts herrschte die Meinung vor, mit der Beschaffung von Hardware und Software sei das Problem gelöst. Der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrern wurde in der Anfangsphase zuwenig Beachtung geschenkt. Heute hat sich der Computer als Arbeitsinstrument in fast allen Bereichen etabliert. Im Vordergrund stehen dabei Anwendungen wie Textverarbeitung, Graphik, Tabellenkalkulation, Datenverwaltung und Kommunikation. Und die Computer sind so leicht und handlich, dass sie auch in eine Schultasche passen. Die Werbung macht zudem glaubhaft, das Bedienen eines Computers sei kinderleicht.... und stösst damit bei den Schulbehörden auf offene Ohren: Vielerorts wird der Informatikunterricht reduziert oder (zumindest auf dem Papier) in andere Fächer integriert. Dass ein Verständnis der grundlegenden Konzepte der Informatik heute zur Allgemeinbildung gehört, wird geflissentlich ignoriert.
Zwischen der Einführung der Personal Computer und Internet / World Wide Web bestehen viele Parallelen. Auch der "Information-Super-Highway" stösst in den Schulen und bei den Behörden auf grosse Skepsis, weckt Aengste oder stösst gar auf schroffe Ablehnung. In welche Richtung die Entwicklung der neuen Informationsmedien gehen wird, kann heute wohl kaum jemand verlässlich voraussagen. Sicher ist nur: Internet und die darauf aufbauenden Dienste wie World Wide Web oder Email sind heute in unserer Gesellschaft zu einer nicht mehr wegzudenkenden Realität geworden. Die Schulen müssen sich damit auseinandersetzen und aufzeigen, wie die neuen Informationsmedien gezielt und verantwortungsbewusst genutzt werden können. Neben Printmedien (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften), Telefon, Fax, Radio und Fernsehen oder CD-ROM hat sich heute das Internet als weitere Informationsquelle etabliert. Auf der Sekundarstufe ist deshalb ein Internetzugang in jeder Schule ein Muss. Dieser Zugang darf nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer reserviert sein, sondern muss auch den Schülerinnen und Schülern frei zugänglich sein. Im Klartext: Der erste Internetzugang gehört nicht ins Informatikzimmer, sondern in die Schulbibliothek! Die Einrichtung eines einfachen Internet-Zugangs als Einzelplatzlösung über die vorhandene Telefonleitung ist heute recht problemlos. Der Zugang zum Internet ist in der Regel zum Lokaltarif möglich. Damit halten sich auch die laufenden Kosten in Grenzen. Vergleicht man die Kosten für einen einfachen Internetanschluss mit den Ausgaben für sonstige Hardware und Software oder gar mit den Aufwendungen für die Löhne an einer Schule, scheinen finanzielle Argumente gegen einen Internet-Anschlusss geradezu kleinkrämerisch. Abzuraten ist Schulen im heutigen Zeitpunkt von der Einrichtung aufwendiger Mehrplatzlösungen, die oft mit grossen technischen Problemen und einem grossen Wartungsaufwand verbunden sind. Im Zusammenhang mit der Liberalisierung des Telecom-Marktes werden in nächster Zukunft einfache, leistungsstarke und kostengünstige Lösungen angeboten werden, beispielsweise über Kabelfernseh- oder Satellitenanschlüsse.
Der Anschluss ans Internet ist der einfachste und auch kostengünstigste Schritt. Notwendig ist auch die Ausbildung der Lehrpersonen im Umgang mit den neuen Medien und der Einbezug der neuen Informationsquellen setzt didaktische Ueberlegungen und Konzepte voraus. Eine erste Hilfestellung in dieser Richtung bietet das im Rahmen des Projekts "School goes Internet" an der ETH Zürich entstande Buch an: Perrochon L.: School goes Internet. Zürich 1996 (dPunkt). Dieses Buch richtet sich an Lehrpersonen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen wollen. Neben allgemeinen Informationen zum Internet und seinen Diensten enthält das Buch auch viele Beispiele zum praktischen Einsatz des Internets im Unterricht. Auf Herbst1997 plant zudem SATW, die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften, eine Cyber Road Show:
Cyber Roadshow: Der SATW bringt die Cyberworld an Ihre Schule!
Ein Internet-Cafe, Beispiele von Multimedia-und Simulationstechniken für die Ausbildung, Berufswahl-Unterstützung am Internet: sie werden mobil gemacht und kommen als Roadshow an interessierte Schulen. Ermöglicht wird diese hochaktuelle Intervention zugunsten von Schülerinnen und Schülern an Mittelschulen durch die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften. SATW.Die Umsetzung der Idee ist wie folgt geplant: die Roadshow wird den Schulen für die Dauer von einer Woche zur Verfügung gestellt. Betrieben wird sie (neben Fachleuten als Begleitpersonal) durch ein Team der jeweiligen Schule, bestehend aus einem Lehrer oder einer Lehrerin und rund 15 interessierten Schülerinnen und Schülern. Die Einführung für diese Teams erfolgt im Rahmen der Jahrestagung der SATW am 25. und 26. September 1997 in Bern, und anschliessend geht die Roadshow für ein halbes Jahr auf Reisen quer durch die ganze Schweiz.
Sind Sie interessiert, an dieser Aktion Cyber Roadshow mitzumachen, ein Team zu bilden und sich diese attraktive Informationsplattform fürr die Instrumente der Arbeitswelt von morgen an Ihre Schule zu holen? Melden Sie sich frühzeitig für genauere Informationen bei:
Werner Hartmann
Informatik, ETH-Zentrum, 8092 Zürich
hartmann@inf.ethz.ch
Tel. 01 632 73 78
oder
Silvio Amstad
Gymnase Cantonal De Morges, Rue de Lausanne 31, 1110 Morges
amstad@dial.eunet.ch
Tel. 021 803 36 00