Louis Perrochon

Das Internet und seine Dienste

Internet, Datenautobahn, Information-Superhighway sind heute Schlagworte. Wie entstand das Internet, wie funktioniert es und was sind seine Bausteine? Ohne Beantwortung dieser grundlegenden Fragen ist ein sinnvoller und effizienter Umgang mit den neuen Kommunikationstechnologien nicht möglich.

Das Internet ist ein weltweiter Verbund von Computern, die über Leitungen Daten austauschen können. Es ist dezentral organisiert und besitzt weder eine einheitliche Rechnerarchitektur noch eine festgelegte Leitungsstruktur. Deshalb kann prinzipiell jeder beliebige Rechner daran angeschlossen werden, vom Supercomputer bis zum Macintosh oder IBM-kompatiblen Rechner im Privathaushalt, einer Schule oder einem Betrieb. Der Anwenderin oder dem Anwender bleiben die komplexen Strukturen des Internets weitgehend verborgen. Der Erfolg des Internets ist zu einem Teil gerade in seiner chaotisch anmutenden Struktur begründet. Im Gegensatz zu den traditionellen Informationsdiensten beeinträchtigt der Ausfall eines Rechners die Leistungsfähigkeit des Internets nur marginal. Die übrigen Rechner können weiter zusammenarbeiten.

An das Internet waren ursprünglich neben öffentlichen Institutionen und Universitäten nur grosse Firmen angeschlossen. Seit einiger Zeit finden sich aber auch kommerzielle Unternehmen am Netz, sogenannte Internet-Dienstanbieter (Internet Service Provider, Internet Access Provider), welche den Zugang zum Internet auch Privaten gegen Bezahlung anbieten.

Das Internet bietet primär nur einen Basisdienst. Es stellt eine Datenverbindung zwischen einzelnen Rechnern her. Für Kommunikation und Zugriff auf Informationen müssen darauf aufbauende Anwendungsdienste in Anspruch genommen werden. Der Unterschied zwischen Basis- und Anwendungsdiensten soll am Beispiel des Strassenverkehrs aufgezeigt werden. Das Strassennetz bildet dabei den Basisdienst. Es verbindet alle Häuser miteinander, liefert aber selbständig noch keinen grossen Nutzen.

Auf dem Basisangebot können weitere Dienste aufgebaut werden. So betreiben die städtischen Verkehrsbetriebe einen Anwendungsdienst, den öffentlichen Verkehr. Die Stadtwerke betreiben einen weiteren Anwendungsdienst, die Abfallentsorgung. Die analogen Dienste im Internet haben Namen wie E-Mail, FTP, W3 oder News. Den Bussen der Verkehrsbetriebe oder den Müllautos der Stadtwerke entsprechen im Internet die Anwendungsprogramme. Diese werden benutzt, um auf einen Dienst zuzugreifen. Heute kann im Internet für die Benützung fast aller Anwendungsdienste ein einziges Programm verwendet werden, der sogenannte Browser (z..B. Netscape Navigator oder Microsoft Internet Explorer). Im folgenden werden die wichtigsten Anwendungsdienste kurz vorgestellt.

E-Mail - Elektronische Post

Ein seit vielen Jahren praktisch im Einsatz stehender Anwendungsdienst des Internets ist die sogenannte elektronische Post zur Übermittlung von elektronischen Dokumenten an andere E-Mail-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Die grössten Vorteile von E-Mail gegenüber der herkömmlichen Post sind die hohe Geschwindigkeit und die geringen Kosten. Gegenüber dem Telefon kommt der Vorteil hinzu, dass die Empfängerin oder der Empfänger auch erreichbar ist, wenn sie oder er im Zeitpunkt des Anrufs nicht am Computer sitzt. Dies gilt zwar auch für den Telefax. Im Unterschied zu Fax-Nachrichten können jedoch elektronische Nachrichten auch gespeichert, mehrmals gelesen, ergänzt oder modifiziert und an Dritte weitergeleitet werden. Trotzdem bleiben gewichtige Nachteile der elektronischen Kommunikation. Die Möglichkeiten zur Gestaltung einer Nachricht werden immer eingeschränkt bleiben. So ist eine kurze handschriftliche Ergänzung oder eine kleine Skizze auf einem Fax oder Brief innert Sekunden problemlos möglich. Auch mit modernen Zeichenprogrammen ist die Erstellung derselben Skizze wesentlich langwieriger. Und selbst wenn einmal die Bedienung der Rechner noch viel einfacher wird, es wird nie ein elektronisches Pendant zu einer gepressten Blume im Umschlag geben.

News - News-Gruppen

Für öffentliche Diskussionen im grossen Rahmen dient im Internet der News-Dienst. Es handelt sich dabei um eine Art von verteilten elektronischen Anschlagsbrettern. Ein Artikel, in Wien an ein solches Brett angeschlagen, wird innert Minuten oder Stunden von einem Rechner zum nächsten verbreitet und kann bald von Interessenten in Sydney gelesen werden. Zur Zeit existieren rund 10 000 Bereiche (News-Gruppen) zu allen denkbaren Themen.

FTP - Dateiübertragung

Sowohl bei E-Mail als auch bei News werden Meldungen und Artikel in Form von Dateien von einem Rechner auf den nächsten kopiert. Dieser Vorgang läuft automatisch ab und bleibt vor der Endbenutzerin oder dem Endbenutzer verborgen. In vielen Fällen soll jedoch eine, meistens sehr grosse Datei, sofort von einem Rechner auf einen anderen kopiert werden. Typischerweise werden auf diese Weise kostenlose Programme auf den eigenen Rechner kopiert. Um diesen Dienst effizient unterstützen zu können, wurde das File Transfer Protokoll (FTP) entwickelt. FTP ist eigentlich nur ein Protokoll, das die Übertragung (transfer) von Dateien (files) zwischen zwei Rechnern regelt. Heute bezeichnet FTP jedoch den auf dem Protokoll basierenden Dienst, der beliebige Dateien für die Übertragung bereitstellt. Bei anonymem FTP kann jeder auf öffentliche Rechner zugreifen und dort Dateien abrufen. Dieser anonyme FTP-Dienst ist so verbreitet, dass der Begriff FTP-Server meist einen Rechner bezeichnet, der anonymes FTP anbietet. FTP ist eine reichhaltige Fundgrube. So bieten zum Beispiel die grossen Computerfirmen hier gratis neue Programmversionen und neue Treiberprogramme für Drucker und Bildschirme an. Auch Universitäten stellen gratis ein reichhaltiges Angebot zur Verfügung, beispielsweise technische Berichte, Satellitenbilder oder frei benutzbare Software.

W3 - World Wide Web

W3 ist der jüngste der hier diskutierten Internet-Anwendungsdienste. Der Dienst unterstützt im Gegensatz zu den anderen Anwendungsdiensten von sich aus eine leicht verständliche, grafische Benutzungsoberfläche. W3 ist deshalb sehr anwendungsfreundlich und speziell für den Einstieg in das Internet gut geeignet. Für den grossen Erfolg von W3 waren verschiedene Faktoren ausschlaggebend. W3 basiert auf multimedialen Hypertextdokumenten. Ein Hypertextdokument ist über Schlüsselwörter mit andern Dokumenten vernetzt. Die Schlüsselwörter sind Referenzen in ein anderes Dokument und werden grafisch aus dem übrigen Text hervorgehoben. Wird ein solches Schlüsselwort per Mausklick aktiviert, wird automatisch das betreffende Dokument angezeigt. Die Informationsangebote, auf die mittels W3 zugegriffen werden kann, sind in der Form von Dokumenten, sogenannten W3-Seiten auf vielen verschiedenen, weltweit verteilten Servern abgelegt. World Wide Web ist zudem ein Multimedia-Informationssystem. Dies bedeutet, dass auch Grafiken, Musik und Videos in solche Dokumente eingebunden werden können.

Ein weiteres Erfolgsrezept von W3 - Client-Server - hängt mit einer allgemeinen technischen Entwicklung in der Informatik zusammen. Zu Beginn der Informatik gab es auschliesslich Grossrechner. Diese konnten sich nur grosse Firmen und Universitäten leisten. Um 1980 kamen dann die ersten Personalcomputer (PC) auf den Markt. Für Aufgaben, welche die Zusammenarbeit mehrerer Personen erfordern, sind isolierte PC aber ungeeignet. Für diese Einsatzgebiete wurden weiterhin Grossrechner eingesetzt. Vor einigen Jahren wurde in der Informatik dank guter Datennetze das sogenannte Client-Server-Prinzip möglich. Im Gegensatz zu früher kann heute eine Benutzerin oder ein Benutzer lokal auf seinem Rechner arbeiten und muss nur bei Bedarf auf zentrale Server zugreifen. Ein möglicher solcher Serverdienst wäre ein grosses Online-Lexikon. Das Lexikon muss dann nur einmal zentral installiert werden und kann dort laufend aktuell gehalten werden. Alle Clienten profitieren von diesem Dienst. Im Gegensatz dazu ist sowohl ein gedrucktes als auch ein CD-ROM-Lexikon innert Wochen veraltet.

Schliesslich sind alle W3-Dokumente in der Regel in Form von einheitlichen HTML-Dokumenten gespeichert. HTML (Hypertext Markup Language) ist eine Beschreibungssprache für Hypertexte, die unabhängig von dem verwendeten Computer oder Programm ist. So kann ein HTML-Dokument sowohl auf einem Macintosh wie auf einem Windows-Computer angezeigt werden.

Neben Email, News, FTP und WWW gibt es auf dem Internet noch weitere Dienste, die aber für die Schule eine weniger grosse Bedeutung haben. Generell sollte sich die Schule auf grundlegende Konzepte der Information und Kommunikation beschränken. Die Vielzahl der angebotenen Möglichkeiten oder die programmspezifische Bedienung einzelner Zugriffsprogramme sind nicht von langfristiger Bedeutung.